Wieder zurück?

Jetzt kommt die spannende Frage:

Möchte ich wieder zurück nach Aachen?

Und um diese Frage ehrlich zu beantworten: zu 70% NEIN!

Natürlich gibt es gute und schlechte Seiten in jedem Land. Die eindeutig schlechteste Seite dieses Landes ist mit Abstand das Gefälle zwischen Arm und Reich und der daraus entstehenden Kriminalität. Südafrika gehört von allen afrikanischen Staaten zu denen mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen von 2500 US-Dollar, aber die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind doch sehr hoch. Bisher konnte mir jeder berichten, den ich getroffen habe, dass er überfallen, ausgeraubt, gekiddnappt, vergewaltigt, Wagen gestohlen oder bei ihm zu Hause eingebrochen wurde. Ein Deutscher vom Deutschen Entwicklungsdienst erzählte “als Krönung”, dass ein Mitarbeiter von ihm unvorsichtig war in seinem Auto und dieser überfallen und auf offener Straße regelrecht hingerichtet wurde. Hier in Afrika ist es eigentlich nicht möglich, nach Einbruch der Dunkelheit einfach einen Spaziergang zu machen und den grandiosen Sternenhimmel dabei zu betrachten. Man ist an das eigene Haus gebunden oder kann nur die wenigen belebten Plätze besuchen fahren, an denen Security aufpasst.

Für mich als Deutscher, der viele viele Jahre am Rande des Ostviertels lebt (und somit am Rande der Aachener Bronx) und dem noch nie etwas passiert ist, ist diese Art des Freiheitsentzuges absolut fremd und ich habe Schwierigkeiten, damit zurechtzukommen. Auf der einen Seite treffe ich nur freundliche Menschen hier aber eine doch recht hohe Dunkelziffer treibt sein Unwesen und scheut sich bei den Überfällen nicht, absolut gewalttätig vorzugehen und sogar vor einem Mord nicht halt zu machen. Selbst Willem, ein holländischer Volunteer, den wir hier kennen gelernt haben und der seit ein paar Monaten hier lebt, ist schon überfallen worden. Auf dem Bild rechts ist übrigens eine typische Art des Transports für viele Schwarze zu sehen. Einen gut ausgebauten ÖPNV gibt es hier nicht und somit sind viele Menschen auf “Privattaxis” angewiesen. Diese Taxis sind manchmal wie oben zu sehen “Buckis”, auf denen man recht unbequem transportiert werden kann, oder auch 9-Sitzige VW-Bullis, in denen aber bis zu 18! Personen transportiert werden. Kürzlich hörte ich von einem schlimmen Unfall eines solchen Bulli-Taxis, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen, sechs schwer und weitere vier Menschen leicht verletzt wurden.

OK, dieses Kapitel ist leider sehr übel und ich könnte noch viel mehr erzählen.... vielleicht später. Eine weitere negative Sache ist hier das eindeutig schlechte Einkommen. Wenn man als normaler Angestellter hier arbeitet, so kann man ca. 500 Euro netto verdienen. Als Akademiker sind auch etwas mehr als 1000 Euro drin, mehr nicht. Gut, die Preise sind hier verglichen zu den deutschen Preisen niedriger, aber für Luxusartikel, seltenere Speisen oder Alkoholika zahlt man schon fast die deutschen Preise. Ich habe übrigens auch einfache Schwarze Arbeiter gefragt, wie viel die verdienen und da bin ich echt vom Glauben gefallen: Der Monatsverdienst liegt bei ungefähr 100 Euro.

 

Aber es gibt auch viele viele viele positive Dinge zu erzählen, die wiederum die negativen Seiten des Landes in den Schatten stellen. So sind die Personen in diesem Land einfach freundlich und nett. Nicht so wie das in Deutschland der Fall ist, dass eine Bekanntschaft im Regelfall sachlicher Natur ist und eine wirkliche Freundschaft über Wochen aufgebaut wird. Hier trifft man sich einmal eher zufällig und kommt nett ins Gespräch und am nächsten Tag erhält man einen Anruf auf dem Handy mit einer Einladung für den nächsten Freitag zum Braai (Grillen). Auf dem Bild links seht Ihr Lennet, der uns zu einer einfach genial großen Garnelen-Pfanne eingeladen hat. Also die Afrikaner hier, die verstehen was vom Kochen, einfach lecker....

Viele Menschen hier sind einfach freundlich und ich bin glücklich, als Praktikant die Bevölkerung kennen zu lernen. Die Afrikaner haben ein anderes Wertesystem und das ist gut so. Als Urlauber in einem Hotel hätte ich nie die Chance gehabt, auf diese Weise eine neue menschliche Umgebung kennen zu lernen.

Und was reizt mich noch?? Die Natur hier in Mpumalanga ist einfach sensationell! In der Rubrik Wochenende und später in der Rubrik Urlaub werde ich Bilder aus der Umgebung zeigen. Südafrika ist drei Mal so groß wie Deutschland und somit auch gut drei Mal so vielfältig. Hier in meiner unmittelbaren Umgebung sind Wälder als auch eine Mischung aus Gras-Buschland vorzufinden. Da wir stellenweise Ebenen (keine Bergspitzen) von 2000 Metern (Highfeld) haben, andererseits auch Tiefebenen von nur 300 Metern ist die Natur sehr wechselhaft. Im Norden und Nordwesten des Landes findet man ausgedehnte Wüstenlandschaften, im Südosten teilweise eher richtigen Regenwald.

 

Aber erstmal kann ich Euch versprechen, dass ich bestimmt wieder Mitte Juli zurück kehren werde nach Deutschland. Leider muss ich noch mal für die Uni büffeln und das kann ich nur mit meinem Material und mit meiner Ruhe in Deutschland. Naja, ob ich wirklich Ruhe haben werde, das wird sich herausstellen, da ich normalerweise in Aachen immer auf Wochen ausgebucht bin. Hier in Afrika bin ich mal richtig froh, die ganze deutsche Hektik einmal zu missachten und mich der ruhigen afrikanischen Lebensweise anzupassen. Hier merkt man, dass man auch zwischen der Arbeit noch Zeit für ein Gespräch nebenbei hat und alles viel lockerer und langsamer angeht.

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